Bollwerk statt Spektakel

Nov. 18, 2025

Fußballer der Woche: Verteidiger Nico Schillinger und die TSG Lützelsachsen halten viermal in Folge die Null und schielen nun nach oben.

Vier Spiele, vier Siege, 10:0 Tore. Die TSG 91/09 Lützelsachsen hat in der Fußball-Kreisliga einen tollen Lauf und durch Patzer der Konkurrenz im Tableau mächtig aufgeholt. Das Team von Rick Hutter, der nach zwei Jahren wieder zurück auf dem TSG-Trainerstuhl ist, lag vor der Partie beim SC Käfertal als Fünfter bereits acht Punkte hinter dem Gastgeber und Spitzenreiter. Mit dem dortigen 1:0-Sieg starteten die Rot-Weißen dann ihren Siegeszug, inzwischen sind sie auf Rang zwei vorgeprescht, nur noch zwei Zähler Abstand zur Spitze.

Schon sieben weiße Westen

Ein Verdienst gerade auch von Nico Schillinger, der als Innenverteidiger die TSG-Defensive stabilisiert und von einer nie dagewesenen Stärke in diesem Mannschaftsteil spricht: „Wir haben nicht nur vier Spiele in Folge ohne Gegentor gewonnen, sondern insgesamt schon sieben Partien zu null bestritten. Das ist uns gefühlt in den letzten fünf Jahren nicht derart oft gelungen. Wir waren eigentlich immer ein Team, das eher 5:3 als 2:0 gewinnt“, blickt der 26-Jährige, großgewachsene Verteidiger auf eine wundersame Wandlung, die er selbst als Defensiver umso mehr mit Wohlwollen registriert. „Als Verteidiger freut es mich gerade doppelt, dass wir nicht nur gewinnen, sondern auch regelmäßig zu null spielen“, sagt Schillinger.

Die neue Defensivstärke sei letztlich aus einer schleppenden offensiven Phase resultiert. „Wir taten uns zu Rundenbeginn schwer mit dem Kreieren von Torchancen. Wir waren in den Spielen zwar dominant, es wollte vorne aber einfach nicht so klappen. Das haben wir schließlich irgendwo akzeptiert, den Fokus mehr auf die Abwehr gelegt und daraus eine Tugend gemacht.“

Er selbst ist spätestens seit der B-Jugend fest als Verteidiger im Einsatz, ein Lieblingsfußballer ist Sergio Ramos, der in seiner langen Zeit bei Champions League-Seriensieger Real Madrid einer der gefürchtetsten Verteidiger überhaupt war – nicht nur wegen rigoroser Verteidigungskünste, sondern auch dank ausgeprägter Treffsicherheit im gegnerischen Strafraum. Ein Punkt, der den spanischen Weltmeister von 2010 mit Schillinger verbindet. Zumindest, was die vergangene Runde angeht, als Schillinger insgesamt acht Treffer erzielte, meist per Kopf nach Standards. Aktuell steht er erst bei zwei Toren, wobei sein 1:0 im vorletzten Heimspiel gegen den SC Pfingstberg-Hochstätt nach gut einer Stunde sehr wichtig war. „Da haben wir uns vorher lange die Zähne ausgebissen“, spricht Schillinger an, was zuletzt für die gegnerischen Angreifer gegen die TSG galt. „Wir genießen es aktuell, dass es so gut für uns läuft“, sagt der im Frühjahr 2020 vor der Corona-Pandemie vom VfR Mannheim gekommene Bayern München-Fan.

Auf Revanche aus

Neben dem eigenen Team macht ihm auch der Rekordmeister richtig viel Spaß. „Das ist absolut gut, wie sie es machen. Ich bin schon immer Fan von Vincent Kompany. Wenn sie so weiterspielen, wird es wohl eine sehr früh eingetütete Meisterschaft“, blickt Schillinger lächelnd auf den bajuwarischen Siegeszug, den er so nicht erwartet hätte: „Ein solcher Lauf kommt schon überraschend, gerade die starken Leistungen in der Champions League, wie zuletzt beim 2:1 bei Titelverteidiger Paris St.-Germain.“ Damit gelang den Bayern zudem die rasche Revanche für das Viertelfinal-Aus im Juli bei der Klub-Weltmeisterschaft.

Und auch bei der TSG sind sie ganz aktuell auf Revanche aus. Im Topspiel am Sonntag beim SC Olympia Neulußheim (23. November, 15.15 Uhr), den Lützelsachsen im Tableau just überholt hat, möchten Schillinger und Co. nach der 1:3-Heimschlappe im August im Kreispokal den Spieß umdrehen. „Im Pokal haben wir leider verloren. Und sie haben mit den besten Fußball bisher gespielt. Es wird nicht leicht. Nach unseren vier Siegen gehen wir aber ohne Angst ins Spiel“, sagt Nico Schillinger in der Hoffnung auf eine schillernde Fortsetzung des Laufs

Zur Person

Nico Schillinger begann im Kindesalter beim hessischen SV Unter-Flockenbach mit dem Kicken. Parallel spielte der 26-Jährige lange Handball, ehe er sich als C-Jugendlicher für den Fußball entschied.
In der B-Jugend zog es ihn von den „Flockies“ zur TSG Weinheim, wo er seine Stärken als Verteidiger so richtig entdeckte und später im Aktivenbereich debütierte.

Seit drei Monaten ist Schillinger mit seiner Freundin Julia zusammen, die ihm gerne mal auf dem Fußballplatz bei seinen Spielen die Daumen drückt – anhand des schönen Laufs der TSG aktuell wohl mit besonders viel Erfolg.

Den Erfolg macht der Abwehrspieler nicht zuletzt an der guten Trainingsbeteiligung fest, die sich in den Vorjahren schon mal deutlich unter den aktuell häufig über 20 Akteuren in den Einheiten bewegte